Wirtschaft

Stärke durch Innovation

Von Michael Gneuss und Wiebke Fröhlich · 2016

Die Rahmenbedingungen sind für die Schweizer Firmen nicht einfach. Hohe Kosten und der starke Schweizer Franken stellen hohe Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit. Doch Studien bescheinigen der Wirtschaft enorme Leistungen: Seit fünf Jahren ist sie Innovationsweltmeister, in Sachen Wettbewerbsfähigkeit landet sie auf Platz zwei und ihre Marken genießen einen fabelhaften Ruf in der Welt.

Deutschland hat sich unter dem Label „Made in Germany“ im Export einen hervorragenden Ruf erworben. Auch die Schweiz entwickelt seit Ende der Neunzigerjahre einen Markennamen, der für die Qualität ihrer Produkte steht: „Swissness“. Demnach sollen Begriffe wie Fairness, Präzision, Zuverlässigkeit und Natürlichkeit mit der Schweiz assoziiert werden. Das Label hat indes so gut funktioniert, dass es von Trittbrettfahrern oft auch unrechtmäßig verwendet wird. Doch der Gesetzgeber hat bereits reagiert: Zum 1. Januar 2017 wird es den Schutz der Bezeichnung „Schweiz“ und des Schweizerkreuzes verstärken. Dann wird präziser geregelt sein, wann ein Produkt als schweizerisch bezeichnet werden darf. Die Reaktion zeigt, wie wichtig Qualität für die Schweizer Volkswirtschaft ist. Über den Preis kann das Land im internationalen Wettbewerb schwerlich punkten. Vielmehr müssen die eidgenössischen Unternehmen mit Neuheiten und vor allem mit der Verlässlichkeit ihrer Produkte glänzen. Das gelingt auch ganz gut. Im Vergleich zu den deutschsprachigen Nachbarländern verfügt die Schweiz durchschnittlich sogar über profitablere Großunternehmen, hat die Unternehmensberatung Accenture errechnet.

Populäre Produkte

Die Züricher Managementberatung Globeone hat indes mit einer Studie die Popularität der Schweizer Erzeugnisse nachgewiesen. Knapp drei Viertel der Chinesen, Amerikaner und Deutschen mögen Schweizer Marken. Hohe Zustimmungen gab es vor allem in Image-Dimensionen wie „Qualität“, „Prestige“, „Vertrauenswürdigkeit“ oder „Umweltschutz“. Enttäuschend aber aus Sicht der Eidgenossen: Nur 16 Prozent der Befragten halten Schweizer Produkte auch für innovativ. Ein Ergebnis, das die Globeone-Geschäftsführerin Carina Hauswald überrascht: „Zahlreiche internationale Rankings wie der Global Innovation Index oder das Innovation Union Scoreboard 2015 zeichnen die Schweiz seit Jahren als innovativste Nation der Welt aus. Aber dies scheint global noch nicht angekommen zu sein.“ Der von der Cornell University, der Business School INSEAD und der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO) herausgegebene Global Innovation Index führt die Schweiz bereits seit fünf Jahren an der Spitze des Rankings und lobt vor allem die Innovationsqualität.

Innovationen bekannter machen

Die private Stiftung Switzerland Innovation will nun, dass die Botschaft der Rankings auch in die Welt hinaus getragen wird. Dazu beitragen soll der Anfang 2016 offiziell eröffnete Schweizerische Innovationspark. An fünf Standorten sollen Firmen aus dem In- und Ausland mit ihren Forschungs- und Entwicklungseinheiten angesiedelt werden. Einen der Schlüssel zum Innovationserfolg sieht die Stiftung in der Bildung. „Die Schweizer Schulen und Universitäten gehören zu den besten der Welt und sind somit der Grundstein für unsere Innovationskraft“, schreibt Switzerland Innovation auf ihrer Website. Hier will die von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik getragene Initiative ansetzen: „Damit aus unserer exzellenten Bildung und Forschung marktfähige Produkte und Dienstleistungen entstehen, müssen unsere Hochschulen bestmöglich mit der Wirtschaft verknüpft werden.“ Auch in Sachen Wettbewerbsfähigkeit ist die Schweiz auf der Überholspur. Im Competitiveness- Ranking 2016 des Institute for Management Development (IMD) ist die Eidgenossenschaft gerade vom vierten auf den zweiten Rang gestiegen. Als ein wichtiger Grund für den Aufstieg gilt die widerstandsfähige Wirtschaft, die zuletzt mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses zum Franken zurechtkommen musste. Die Schweizer profitieren laut IMD auch von ihrer außerordentlich guten Infrastruktur, einer wirtschaftsfreundlichen Arbeitsmarktpolitik sowie einer effizienten und transparenten Verwaltung und einer hohen Produktivität.

Der Wohlstand lockt

Neben Unternehmen und Investoren zieht die Schweiz nach wie vor auch Privatpersonen an. „Gründe dafür gibt es viele“, meint die Züricher Anwaltskanzlei Bürgi Nägli, die das Internetportal zuwanderung.ch betreiben. Ein Grund für den Zuzug in die Eidgenossenschaft sei das große Freizeit- und Kulturangebot. Außerdem locken Wohlstand, politische Stabilität und die zentrale Lage in Europa viele private Zuzügler in die Eidgenossenschaft. Attraktiv seien auch der soziale Frieden und die Sicherheit im Land. Die im Vergleich mit anderen europäischen Ländern hohen Lebenshaltungskosten können daran nichts ändern. Denn im Gegenzug sind die Löhne relativ hoch und die Steuern niedrig. Laut Bundesamt für Statistik (BFS) müssen nur etwa zwölf Prozent des Bruttoeinkommens für Steuern aufgewendet werden. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Schweizer Wirtschaftspolitik auch in den Augen von Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, der Staatssekretärin und Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO, vieles richtig macht. „Doch es gibt auch einige bedenkliche Entwicklungen. Aus wirtschaftspolitischer Sicht fällt vor allem die schwache Entwi ck lung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität negativ auf“, meint Ineichen- Fleisch. „Denn im Gegensatz zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum hat sich die Zunahme der Arbeitsproduktivität in den letzten Jahren, insbesondere seit der Finanzkrise, weiter verlangsamt.“ Sie betont den Reformbedarf der Schweiz und plädiert dafür, Maßnahmen umzusetzen, die verhindern, dass sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz unnötig verschlechtern. „Damit legen wir den Grundstein für den langfristigen Erhalt und die Steigerung unseres Wohlstandes.“ Auch Walter Steinlin, Präsident Kommission für Technologie und Innovation KTI, meint: „Unsere Wirtschaft bleibt dann erfolgreich, wenn wir neue Erkenntnisse schnell umsetzen und uns den verändernden Marktbedürfnissen anpassen können. Diese Herausforderung fordert Bereitschaft, Offenheit und solides Wissen auf allen Stufen.“

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