Swissness

Sich nicht mit fremden Federn schmücken

Von Nadine Effert · 2014

Laut Forschern der Universität St. Gallen können Produkte und Dienstleistungen mit dem Label „Swiss Made“ bis zu 20 Prozent mehr Gewinn erzielen – dank des guten Renommees des Alpenlandes. Doch längst nicht überall, wo Schweiz drauf steht, ist auch Schweiz drin. Damit soll nun Schluss sein.

Ob Uhren, Schokolade oder Käse – Produkte aus der Alpenrepublik genießen weit über deren Grenzen hinweg einen guten Ruf, stehen sie doch für Qualität und Innovation. Dabei achten nicht nur Endverbraucher auf die Kennzeichnung „Made in Switzerland“, sondern auch Unternehmen. Zum Beispiel im Bereich IT: So gehört etwa das Kreuz auf der Verpackung bei jeder dritten Entscheidung von IT-Verantwortlichen in Schweizer Unternehmen zu den wesentlichen Kriterien beim Kauf einer Business-Software-Lösung, so das Ergebnis einer Studie von MSM Research (2012).

Schweizer Kreuz unter Schutz

Um das gute Image der Marke Schweiz vor Missbrauch zu schützen, verabschiedete das eidgenössische Parlament im Sommer 2013 die Swissness-Vorlage mit strengeren Regeln für die Verwendung der Marken „Schweiz“ und „Made in Switzerland“. Nicht ohne Grund, denn das Qualitätslabel weist nicht nur auf das Herkunftsland hin, sondern reflektiert auch eine bestimmte Reputation und somit einen Mehrwert für Produkte und Dienstleistungen.

Ab 2017 greift das neue Markenschutz-Gesetz, wonach bei industriell gefertigten Produkten die Herstellungskosten zu 60 Prozent in der Schweiz anfallen müssen, damit das Produkt sich mit dem Qualitätsmerkmal schmücken darf. Bei Lebensmitteln müssen mindestens 80 Prozent des Gewichts aus Schweizer Produkten stammen, bei Milchprodukten sind es 100 Prozent.

Ist Swissness praktikabel?

Kritiker der Swissness-Vorlage sehen den Produktionsstandort Schweiz allerdings in Gefahr. So etwa die ig Swiss Made. Sie befürchtet klare Wettbewerbsnachteile für KMU in der Uhrenbranche, die zu Arbeitsplatzverlusten führen könnten, da in vielen Konkurrenzländern deutlich weniger strenge Vorschriften für die Herkunftsbezeichnungen gelten. Eine Aufwertung des in der Schweiz anfallenden Kostenanteils durch ­vermehrte Produktion im Inland würde zudem bei gleichbleibender Qualität zu einer für die Konsumenten deutlichen Verteuerung der Uhren führen.

Auch der Schweizer Gewerbeverband fordert mehr Praktikabilität und Flexibilität bei der Umsetzung, die den unterschiedlichen Interessen der Branchen genügend Rechnung tragen müsse. Um den Wirtschaftsstandort tatsächlich zu stärken, ginge es unter anderem auch darum, den administrativen Aufwand und die Kosten für die Unternehmen möglichst gering zu halten.

Das Ziel der Swissness-Gesetzgebung ist klar: Wo Schweiz draufsteht, muss auch Schweiz drinstecken. Und das ist gut so – auch für den Konsumenten. Über den besten Weg zum Ziel sind sich die Eidgenossen ­allerdings noch nicht ganz so einig.

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