Arbeiten im Schweizer Gesundheitswesen

Pflegeparadies Schweiz?

Von Nadine Effert · 2014

Bereits heute mangelt es dem Schweizer Gesundheitssystem an dem, was es trägt: Fachkräfte. Von ihnen braucht das Alpenland bis 2020 mindestens 25.000 zusätzliche – das entspricht rund zwölf Prozent der heute in diesem Sektor Angestellten. Lohnt sich der Blick für deutsche Fachkräfte in Richtung Schweiz?

Fakt ist: Alle Institutionen und Spitäler haben Probleme bei der Besetzung vakanter Stellen mittels inländischer Rekrutierung von Ärzten, aber auch Pflegern. Eine Ursache liegt im demografischen Wandel: Mit der immer älter werdenden Bevölkerung steigt der Versorgungsbedarf stetig. Parallel dazu werden in naher Zukunft deutlich mehr Fachkräfte in Rente gehen, als nachrücken.

Beruf des Pflegers wenig attraktiv

Im Bereich Pflege prognostiziert der Versorgungsbericht der Gesundheitsdirektoren-Konferenz GDK und dem ­Nationalen­ Gesundheitsdachverband Oda Santé, dass in der Schweiz jedes Jahr rund 4.600 Pflegefachleute zu wenig ausgebildet werden. Und: Neue Berufsausbildungen wie Fachfrau/-mann Gesundheit (FaGe) oder Diplomierte Pflegefachperson (HF Pflege) stecken noch in den Kinderschuhen. Das größere Problem ist das schlechte Image des Berufs: Der Job ist zweifelsohne anstrengend, das Arbeitspensum hoch, die Bezahlung nicht immer leistungsgerecht. Nur zehn bis 15 Jahre verweilen Pflegefachpersonen in ihrem Beruf. Allein die Verlängerung um ein Jahr ­würde­ den Nachwuchsbedarf um fünf bis zehn Prozent reduzieren. Es geht also auch um die Attraktivität des Berufes: So fordert etwa der Schweizer ­Berufsverband Pflege sbk eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten der Weiterbildung sowie eine Erhöhung der Saläre, also Gehälter. Keine Frage, in Deutschland sieht die Situation nicht viel anders aus. Allerdings mit einem Unterschied: Für viele deutsche Fachkräfte ist der Schweizer Arbeitsmarkt dennoch attraktiver, viele wandern daher in die Alpenrepublik ab.

Bessere Bedingungen für deutsche Fachkräfte

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Rund ein Drittel des in der Schweiz tätigen Pflegepersonals hat einen ausländischen Pass – darunter nicht wenige mit der Aufschrift „Bundesrepublik Deutschland“. Viele Fachkräfte, darunter auch Ärzte, pendeln vorwiegend aus den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern oder ziehen mit Sack und Pack in die Eidgenossenschaft, um dort zu arbeiten. Wie ­gesagt, ­vakante Stellen gibt es. Darüber hinaus ist die Vergütung rund ein Drittel höher als hierzulande, die Weiter­bildungsmöglichkeiten besser und die Arbeits­be­dingungen angenehmer, da etwa der Personalschlüs­sel in der Schweiz ­höher ist. Die größere­ Zufrieden­heit mit der Arbeit zeigt sich auch in puncto Anerkennung­ der Leistungen: Laut einer ­Studie der Fachhoch­schule Hannover haben in Deutschland gerade einmal ­­35 Prozent des Pflege­personals das Gefühl, dass ihre ­Arbeit anerkannt wird, in der Schweiz sind es ganze ­61 ­Prozent.

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