Metallindustrie und Maschinenbau

Fachkräftemangel bremst Expansionsdrang

Von Thomas Bleibtreu · 2015

330.000 Beschäftigte, ein Exportvolumen von 66 Milliarden Schweizer Franken – in der schweizerischen Volkswirtschaft nimmt die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) eine Schlüsselstellung ein. Sie ist nicht nur die größte industrielle Arbeitgeberin in dem Land, sondern bestreitet auch etwa ein Drittel der Güterausfuhren aus der Schweiz und stellt knapp 50 Prozent der gesamten industriellen Produktion.

Tatsächlich haben zahllose Waren aus Schweizer Produktion schon einen nahezu legendären Weltruf. Mit zu den bekanntesten Beispielen gehören zweifellos Schweizer Taschenmesser – wohl kaum etwas anderes im Metallbereich steht so sehr für Schweizer Qualität wie diese Produkte. Wer kennt es nicht, das rote Schweizer Offiziersmesser aus dem Haus der Victorinox AG (LBACH)? Weltweit Spitze sind auch die Aufzüge der Schindler ag oder Turbinen und Kraftwerke von ABB. Die Liste ließe sich nahezu beliebig fortführen – dennoch weht der Branche derzeit ein scharfer Wind ins Gesicht.

Kostendruck im Export

Weiterhin ist die Freigabe des Frankens besonders in der metallverarbeitenden Industrie ein Grund für Absatzprobleme. Laut des Branchenverbandes Swissmem und des Wirtschaftsforschungsinstituts BAK Basel haben neun von zehn Firmen (92 Prozent) mit negativen Auswirkungen zu kämpfen, konkret mit Auftrags-, Umsatz- und Margenverlusten. „Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie exportiert 80 Prozent ihrer Waren, davon 60 Prozent nach Europa“, erklärt Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann. „Dabei operieren wir in unseren Hauptmärkten bereits seit Jahren in einer schwachen Konjunktur. Das gilt insbesondere für den europäischen Markt“, betont Zimmermann.

Die Perspektiven der Branche sind im Moment aber auch noch aus anderen Gründen getrübt. Die Umsetzung der im Februar 2014 angenommenen Volksinitiative gegen Masseneinwanderung dürfte die Einstellung qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland erschweren. Zudem stellt diese Initiative eine Hypothek für die Zukunft der bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der Europäischen Union dar. Und gerade qualifizierte Arbeitskräftige werden dringend benötigt. Schon heute zeichnet sich in der Branche ein massiver Fachkräftemangel ab. In der MEM-Industrie liegt der Anteil der über 60-Jährigen mit zehn Prozent sogar leicht über jenem in der Gesamtwirtschaft. Die jüngeren, geburtenschwächeren Jahrgänge können diese Arbeitskräfte nicht vollständig ersetzen. Die Unternehmen sind also gezwungen, auch Fachkräfte aus dem europäischen Ausland in die Schweiz zu holen. Überhaupt ist es nach einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey für die Branche in der Schweiz zwingend erforderlich, neue Wege zur Ausbildung und Rekrutierung von Mitarbeitern zu fördern, um den zweifellos bestehenden Standortvorteil des Landes in Bezug auf Kompetenz und Flexibilität der Fachkräfte zu halten.

Geschäftsmodelle noch internationaler ausrichten

McKinsey identifiziert aber noch weitere Felder, die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen der Schweizer Metall-, Elektro- und Maschinenbaubranche beackern müssen, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu halten und weiter auszubauen. So sieht die Unternehmensberatung Verbesserungsbedarf bei der Globalisierung. Unternehmen sollten ihre Geschäftsmodelle stärker international ausrichten, um einerseits den Anteil der wachstumsstarken Märkte an den Exporten zu steigern, andererseits aber auch die Struktur der Wertschöpfungskette im internationalen Kontext zu optimieren. Nachholbedarf sehen Ökonomen auch in Punkto Produktivität. „Zwar befinden sich die Nischenanbieter der Schweizer Elektro- Metall- und Maschinenindustrie im Wettkampf um Technologien in einer guten Ausgangslage“, heißt es etwa in einer Branchenanalyse der Schweizer Großbank UBS. Verglichen mit der Chemie- und der Pharmabranche fielen die Produktivitätssteigerungen der MEM-Industrie in den vergangenen Jahren aber geringer aus. Um längerfristig erfolgreich in der Schweiz tätig zu bleiben, seien deshalb Innovationen gefragt.

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