Investitionsziel Schweiz

Deutsche Unternehmen schätzen qualifiziertes Personal

Von Andreas Taler · 2014

Im internationalen Ranking nehmen Schweizer Unternehmen häufig die vordersten Plätze ein. Qualität der Arbeit und der Wertschöpfungskette gehören in der Regel zur Spitzenklasse. Viele Produkte besitzen ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Schweiz ist das wettbewerbsfähigste und innovativste Land der Welt. So steht es jedenfalls im „World Competitiveness Report 2013/14“ des Weltwirtschaftsforums (WEF). Insofern sind die Eidgenossen ein Dauerbrenner, denn das Land belegt bereits zum fünften Mal den ersten Rang. Begründet wird die Führungsposition der Alpenrepublik mit der außerordentlichen makroökonomischen Stabilität, der Integration der Schweizer Wirtschaft im europäischen Wirtschaftsraum, obwohl das Land nicht Mitglied der EU ist, der guten Verfassung und Transparenz der Institutionen, der hohen Dynamik des Marktes und – last but not least - der hohen Innovationskraft der Wirtschaft. Deutsche Unternehmen wissen das zu schätzen. Nach Angaben von PriceWaterhouseCoopers (PWC) nimmt die Bundesrepublik bei den Direktinvestitionen eine bedeutende Stellung ein: So beschäftigen die etwa 1.250 deutschen Firmen in der Schweiz rund 123.000 Angestellte. Als erstklassig gilt auch die Infrastruktur der Schweiz. Sie zählt weltweit zu den am besten entwickelten und verlässlichsten. Eine hoch entwickelte IT-Infrastruktur und modernste technologische Hilfsmittel bieten optimale Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Technologien.

Unternehmen verlegen Produktionsstätten gerne in die Schweiz

Geht es um Unternehmensansiedlungen, so ist natürlich auch der Immobilienmarkt eines Landes interessant. „Auf dem Immobilienmarkt der Schweiz sind ausreichend Bauland und Liegenschaften für neue Geschäftstätigkeiten vorhanden“, heißt es beim Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). „Zudem wurde die Beschränkung des Grundeigentums von Personen aus dem Ausland in den letzten Jahren weitgehend gelockert.“ Ein weiterer Pluspunkt ist die Qualität der Schweizer Arbeitskräfte. „Gut ausgebildete Arbeitskräfte sind eine Voraussetzung für jedes erfolgreiche Unternehmen“, sagt Jens von Coburg, Unternehmensberater in Berlin. Die Arbeitskräfte in der Schweiz sind aber in der Regel nicht nur hochqualifiziert, sondern auch motiviert und Streiks sind praktisch unbekannt. Obwohl das Lohnniveau relativ hoch scheint, sind die gesamten Arbeitskosten deutlich tiefer als in konkurrierenden Wirtschaftsräumen. Lohnnebenkosten und Sozialversicherungskosten sind niedrig. Attraktiv für ansiedlungswillige Firmen sind auch eine relativ moderate Unternehmensbesteuerung und eine vergleichsweise wohlwollende Regulierung, die den Standort gerade für Familienunternehmen interessant machen. So hebt das Schweizer Beratungsunternehmen bamat Consulting ag hervor, dass die maximale Steuerbelastung zwischen zehn Prozent und 20 Prozent liegt und Behörden, darunter auch das Steueramt (Finanzamt), die Unternehmen tatsächlich wie Kunden behandeln.
In Deutschland selbst ächzen dagegen die inhabergeführten Betriebe unter als hoch empfundenen Steuern, Arbeitskosten und einer einengenden Regulierung, wie aus einer Forschungsstudie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftspolitik (ZEW) zeigt.

Stabilität und Berechenbarkeit der Behörden sind ein Plus

Immer wieder heben deutsche Unternehmen bei Auslandsplanungen das Thema „Planungssicherheit“ hervor. „Hier punktet die Schweiz spürbar“, meint Heiko Kubaile von der KPMG AG. Zum einen trägt hier eine äußerst stabile Steuergesetzgebung mit nur wenigen Gesetzesänderungen bei. Zum anderen kennt das Schweizer Steuerrecht den steuerlichen Vorabbescheid (sogenanntes Ruling). „Dabei wird vor einer konkreten Umsetzung einer Investition, einer Umstrukturierung oder einer anderen Gestaltung beziehungsweise Transaktion, grundsätzlich ein Ruling bei der zuständigen Steuerbehörde über die möglichen Steuerfolgen eingeholt“, so Kubaile. Mit dem Ruling werde sichergestellt, dass die steuerlichen Folgen im Vorhinein klar sind.
Neben den tendenziell niedrigen Steuersätzen gibt es weitere steuerliche Aspekte, die den Standort Schweiz spannend machen. So unterstützen die Schweiz und ihre Kantone Ansiedlungen und Expansionsvorhaben mit attraktiven Steuererleichterungen. „Auf diese Weise kann für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahre eine Steuererleichterung von bis zu 100 Prozent gewährt werden (Tax Holidays)“, so der KPMG-Experte.
Als die Entwicklung stark bremsenden Elemente werden häufig fehlende adäquate Vor-Ort-Infrastrukturen genannt. Neben den für viele irritierenden neuen Richtlinien zur Zuwanderung wird auf die teilweise chaotische Situation auf dem Wohnungsmarkt hingewiesen. Vor allem in den großen Städten spitze sich – wie im Übrigen in den anderen internationalen Metropolen auch – die Lage extrem zu. Dazu gehörten oft fehlende Plätze an internationalen Schulen und entsprechende Angebote. Dem in den vergangenen Jahren starken Zustrom an ausländischen Firmen konnten die entsprechenden Infrastrukturmaßnahmen nicht zeitgleich folgen.
Der größte Kritikpunkt ist der exorbitante Anstieg der Immobilienpreise in Genf, Zürich und Zug, zum Beispiel. Die nach oben zeigende Preisspirale habe bereits viele Einheimische aus dem Markt geworfen, berichten Medien. Die Gefahr wachse nun, dass nun auch Ausländer aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage aussteigen müssen. „Es besteht das Risiko, dass diese Entwicklung in eine gesellschaftliche Krise führt“, sagte kürzlich Emmanuel Fragnière von der Genfer heg School of Business Administration auf der Plattform von SWI swissinfo. Stimmen wie diese mehren sich. Es wird erwartet, dass Politiker schnell aktiv werden. An einer sinkenden Attraktivität der Schweiz als Unternehmensstandort kann schließlich niemand interessiert sein.

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